Malerei
Neumeier, Rainer
Malerei
lebt und arbeitet in Berlin
„Punkt-Punkt-Komma-Strich, fertig ist das Mondgesicht.“ Die diesem Kinderreim zugrunde liegende simple Formel reduziert jedes menschliche Gesicht auf einige wenige Grundzüge: Augen, Nase, Mund. Es ist die Ausformulierung dieses Grundschemas bzw. seine Erweiterung um variantenreiche Ausformungen welche die Bandbreite menschlicher Physiognomien schlechthin generiert und schließlich die Grundlage individueller Charakterisierung bildet.
In Rainer Neumeiers derzeit in der Thomas Rehbein Galerie ausgestellten Gemälden werden die Konstanten Augen, Nase und Mund verfremdet und als klar definierte Erkennungsmerkmale in Frage gestellt: Die Ausformungen entfernen sich zunehmend vom menschlichen Erscheinungsbild und entwickeln eine rätselhafte Eigendynamik die sowohl an konkrete Assoziationen, beispielsweise an humanoide Gestalten als auch an die reine Abstraktion als Abwesenheit figürlicher Formen rührt. In seinen malerischen Andeutungen menschlicher Gesichtsphysiognomie ist genau diese Grenze zwischen Lesbarkeit und Unlesbarkeit und letztlich zwischen Vertrautem und Fremden Neumeiers Wirkungsraum. Subtil demontiert er die Parameter bildlicher Repräsentation und betritt damit das Niemandsland gestalterischer Uneindeutigkeiten. Die Auflösung fest umrissener Strukturen lässt sich in den Gemälden Neumeiers als subversives Schlängeln des Fadens nachvollziehen, dessen Verlauf die Kontur beweglich macht und so gestalterische Integrität irritiert. Der Faden umschließt Farbfelder bzw. –flächen, die in der Komposition Aushöhlungen in einem Totenschädel simulieren und überführt das Gesicht in die Unkenntlichkeit bzw. Identitätslosigkeit. Die formale Zusammenfassung der Farbfelder ordnet den Bildraum nur insofern, als das sie Gestalt suggeriert, nicht jedoch erkenntlich darstellt.
Aus „Punkt-Punkt-Komma Strich“ wird eine unwirtliche Gesichtslandschaft, die geisterhaft zwischen Form und ihrer Auflösung oszilliert.
(Bettina Deschler, 2007)
Vita
1975 geboren in Cham
lebt und arbeitet in Berlin
1996-2000 Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei
Professor Hans Peter Reuter
2000-2002 Städelschule Frankfurt am Main bei Professor Thomas Bayrle
2002 Ernennung zum Meisterschüler bei Professor Bayrle
Ausstellungen (Auswahl)
2008 Galerie Voges und Partner“Heimatom“ (E)
2007 Galerie LS LandskronSchneidzik, Nürnberg "Humus Sapiens" ( E )
Thomas Rehbein Galerie, Köln (mit Rob Voerman)
Taché-Lévy Gallery, Brüssel "Nocturama" ( E )
2006 Cordonhaus Cham "MOONLIGHTVANITY" (E)
KLF Project Space, New York "strictly painting" (G)
Kunstverein, Nürnberg "Die Schönheit der Chance" (G)
Opelvillen, Rüsselsheim "Geld schiesst keine Tore" (G)
2005 Galerie Voges und Partner, Frankfurt am Main (E)
Martin Gropius Bau , Berlin "Rundlederwelten" (G)
Kunstverein Kohlenhof, Nürnberg (G)
2004 Galerie Martin van Zomeren, Amsterdam (mit Peter de Graaff)
Projektraum Schleifmühlgasse, Wien "MÄRZ“ (E)
Galerie Antik, Berlin "pop pop population“ (E)
Autocenter, Berlin (mit Alexandra Leykauf, Wawryniec Tokarski,
Alexander Wolff)
Kunstmühle Mürsbach "put hate back into painting“ (G)
2003 Justizpalast, Bayreuth (E)
Galerie LS LandskronSchneidzik, Nürnberg "Sichtung“ (E)
Kunsthalle, Nürnberg "Positionen und Tendenzen“ (G)
Tony Wuethrich Galerie, Basel "scapes part one“ (mit Sven Drühl,
Hans Richard und Markus Schwander)
2002 Galerie Lindig in Paludetto, Nürnberg "Wir Hier“ (G)
2001 enders projects, Frankfurt am Main "2D“ (mit Petra Karadimas)
Kunstverein Kohlenhof, Nürnberg "Plan B“ (E)
2000 Volksbad, Nürnberg "camping-camping“ (G)
1999 „Jetzt“, Nürbanum, Nürnberg
1998 „tschut tschut“, Galerie Naprotiv, Charkow, Russland
Messeteilnahme
2007 - 2008 Voltashow Basel
2007 Femaco Kunstmesse Mexico
Werkbeispiele
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